Prof. Dr. Jörg Wrachtrup

Datum: 2. Juni 2020, Nr. 36

Jörg Wrachtrup erhält Europhysics Prize Award 2020

Europäische Physikalische Gesellschaft würdigt den Wissenschaftler der Universität Stuttgart als Pionier der Festkörper-Quantenphysik
[Bild: David Ausserhofer / Privat]

Prof. Jörg Wrachtrup, Direktor des 3. Physikalischen Instituts der Universität Stuttgart, erhält den „Europhysics Prize Award 2020“ der Europäischen Physikalischen Gesellschaft in der Kategorie Kondensierte Materie. Die weltweit renommierte Auszeichnung würdigt Wrachtrups Pionierleistungen auf dem Gebiet der Quantenkohärenz in Festkörpersystemen und deren Anwendungen für die Sensorik, insbesondere bei der Untersuchung von optischen und Spin-Eigenschaften von Stickstoff-Leerstellen in Diamant.

Die Forschung von Jörg Wrachtrup hat ein völlig neues und sehr erfolgreiches Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen Festkörperphysik und Quantenoptik etabliert, das von der Materialwissenschaft bis zur biomedizinischen Forschung reicht und auf bahnbrechenden Arbeiten zur optischen Detektion von Einzelspins in Festkörpern basiert. Bereits in den frühen 1990er-Jahren gelang Wrachtrup die präzise Kontrolle von Einzelelektronen- und Kernspins in Festkörpern. Diese Methoden wurden später zur Grundlage der Quantenkontrolle in Festkörpern. Ein großer Fortschritt gelang Jörg Wrachtrup und seinem Team mit der Identifizierung einzelner paramagnetischer Stickstoffleerstellen in Diamant, so genannter NV-Zentren, die eine vielversprechende Plattform für die Quanten-Nanowissenschaften bildeten. Bahnbrechende Beiträge von Jörg Wrachtrup auf diesem Gebiet waren zum Beispiel der Nachweis der Verschränkung zwischen nanopositionierten Defekten und elektronischen und nuklearen Spins, die ersten zerstörungsfreien Quantenmessungen an Festkörperspins oder die Fehlerkorrektur auf der Basis von Kernspin-Clustern.

Wrachtrups Forschung hat zur systematischen Untersuchung verschiedener Festkörper-Spinsysteme geführt, was zur Entdeckung von Quantendefekt-Spins in Materialien wie Siliciumcarbid, Galliumnitrid oder zweidimensionalen Materialien wie zum Beispiel Graphen geführt hat. Jörg Wrachtrup erkannte als erster die Bedeutung von NV-Zentren für die Quanteninformationstechnologie, Messtechnik und biomedizinische Bildgebung.

Jörg Wrachtrup, geboren am 27. Dezember 1961 promovierte 1994 an der Freien Universität Berlin und führte bereits zu dieser Zeit erste Elektronenspin-Resonanz-Experimente an Einzelelektronenspins durch. Anschließend wechselte er an die Technische Universität Chemnitz, wo er als Leiter eines Forschungsteams erstmals sowohl das optische als auch das Spin-Signal eines einzelnen Dotieratoms in einem Festkörper nachwies: das Stickstoff-Vakanz-Zentrum (NV) in Diamant.

Seit 2000 ist Jörg Wrachtrup Professor für Physik und Direktor des
3. Physikalischen Instituts der Universität Stuttgart. Er wurde 2010 zum Fellow am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart ernannt und 2018 zum Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Jörg Wrachtrup ist derzeit Direktor des Zentrums für Angewandte Quantentechnologien ZaQuant.

In den vergangenen Jahren erhielt Jörg Wrachtrup eine Reihe weiterer renommierter Auszeichnungen für seine Arbeit. Dazu gehören der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Preis der Humboldt- und der Max-Planck-Gesellschaft, der Zeiss-Forschungspreis, die Goldmedaille der Internationalen Gesellschaft für Elektronenspinresonanz und der Heinrich-Hertz-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Jörg Wrachtrup hat mehr als 290 Arbeiten veröffentlicht, die fast 5000 Mal pro Jahr zitiert werden. Seit 2014 ist er ununterbrochen in der Liste der ISI Highly Cited Researcher eingetragen.

Die Preisverleihung findet am 2. September 2020 im Rahmen der Generalkonferenz der EPS-Abteilung für kondensierte Materie statt.

Prof. Dr. Jörg Wrachtrup 
3. Physikalisches Institut, Universität Stuttgart
Tel.: +49 711 685-65278
E-Mail

Pressekontakt

Andrea Mayer-Grenu
 

Andrea Mayer-Grenu

Wissenschaftsreferentin, Forschungspublikationen

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