3. März 2020 / Fachbereich Mathematik

Herr Wenzel, wie kamen Sie dazu, Mathematik zu studieren?

Preisträger der Robert Bosch GmbH für herausragenden M.Sc. Abschluss am Fachbereich Mathematik
Porträts am Fachbereich Mathematik

Tatsächlich habe ich zunächst gar nicht Mathematik studiert, sondern Physik. Während der Schule gefielen mir Mathematik und Physik beidermaßen gut, damals hatte ich mich dann aber für das Physikstudium entschieden. Zu Beginn eines Physikstudiums steht man vor der Frage, ob man lieber "Ana Laag" oder "HM" hören möchte - das steht für Analysis sowie Lineare Algebra und Analytische Geometrie bzw. für Höhere Mathematik. Das sind die zwei Wahlmöglichkeiten bezüglich der mathematischen Grundausbildung, die man für ein Physikstudium benötigt. Für mich war die Entscheidung aufgrund meiner Mathe-Affinität leicht, ich wählte "Ana Laag" - und hörte damit die gleichen Grundlagen-Mathematikvorlesungen wie die Mathematikstudierenden. Dadurch lernte ich auch viele Mathematikstudierende kennen und fand Gefallen an den mathematischen Prinzipien und Grundgedanken.

Wie kommen Sie dann aber zu einem Masterabschluss in Mathematik?

Im Laufe meines Physikstudiums hat mir die Mathematik hinter der Physik doch besser gefallen als die Physik an sich - so dass ich nach Abschluss meines Physikbachelors dann zum Mathematik Masterstudium gewechselt habe - dies ging ohne größere Probleme. Statt wie im Bachelor Physik zu studieren und dabei viele Mathematikvorlesungen zu hören, studierte ich nun Mathematik und konnte im Rahmen des Nebenfaches noch weitere spannende Physikvorlesungen wie Quanteninformationsverarbeitung (Wie funktioniert eigentlich ein Quantencomputer?) hören.

Am Masterstudium der Mathematik mochte ich vor allem die große Freiheit, die geboten war: Man konnte aus einem breiten Spektrum an Angeboten wählen, von Theorievorlesungen bis hin zu aktuellen Anwendungen wurde alles angeboten. Wie aktuell der gelernte Stoff war, konnte ich durch ein freiwilliges Industriepraktikum vor meiner Masterarbeit live erleben. Damals war ich für 6 Monate bei der Daimler AG im Bereich Maschinelles Lernen aktiv und konnte die im Studium erlernten Methoden und Fähigkeiten direkt anwenden.

Was sollte man während dem Studium nicht verpassen?

Das Studium besteht aus viel mehr als nur Vorlesungen, Lernen und Prüfungen. Einer meiner Professoren sagte mal, man solle während des Studiums auch einen Blick über den Tellerrand wagen. Zwar dachte ich zunächst, dass damit gemeint wäre, auch fachfremde Vorlesungen zu hören. Jedoch sollte man sich auch Zeit nehmen für ganz andere Dinge, die auch äußerst interessant und eine Erfahrung wert sein können, wie beispielsweise ein (Industrie-)Praktikum einlegen, einen Auslandsaufenthalt machen - oder einfach mal das Studentenleben genießen.

Was machen Sie nach ihrem Studium?

Das Forschen zum Ende des Studiums während meiner Masterarbeit machte mir Spaß, deshalb entschied ich mich direkt im Anschluss eine Promotion zu starten, und zwar am Institut für Angewandte Analysis und Numerische Simulation. Dabei beschäftige ich mich mit mathematischen Kernmodellen und insbesondere dem Übergang zu tiefen Kernmodellen, also einem Bereich zwischen Kernmethoden und des Deep Learnings. Diese Forschung findet im Rahmen des Exzellenzcluster SimTech statt, wodurch es zu vielen Kooperationen mit anderen Fachrichtungen und einem hervorragenden Austausch mit anderen Promovierenden, die an verwandten Themen arbeiten, kommt.

Das klingt schon sehr abstrakt, wozu kann man das im Alltag gebrauchen?

Kernmodelle und Methoden des Deep Learning wie Neuronale Netze finden Anwendungen in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens. Hierbei geht es um das Lernen von und mit Daten, also um den Bereich Data Analytics. Eine ganz konkrete Anwendungsmöglichkeit wäre das Ziel des autonomen Fahrens: Wie kann einem Auto beigebracht werden, von alleine zu fahren? Dies funktioniert, indem man dem Auto (bzw. der Software die im Auto steckt) unter anderem anhand vieler Beispiele beibringt, andere Verkehrsteilnehmer, Verkehrszeichen oder allgemein seine Umwelt zu erkennen und richtig zu handeln.

Auch in meiner Forschung sind solche Anwendungen inbegriffen. Bei meiner Forschung geht es zwar nicht um das Beispiel des autonome Fahrens, dafür aber um mindestens genau so spannende Anwendungsfälle im Bereich der Simulation von Turbulenzströmungen oder der Simulation der menschlichen Wirbelsäule.

Vielen Dank für das Gespräch.

Tizian Wenzel
Preisträger der Robert Bosch GmbH für herausragenden M.Sc. Abschluss am Fachbereich Mathematik

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