04.05.

4. Mai 2020, 18:00 Uhr

Friedliche oder militärische Nutzung? Kernspaltung, Kernreaktoren und Kernwaffen

Zeit
4. Mai 2020, 18:00 Uhr
 
Audimax V53.01
Referent/in
PD Dr. Christian Forstner, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Im Dezember 1938 gelang Otto Hahn und Fritz Strassmann der Nachweis der Spaltung von Urankernen auf chemischen Weg. Kurz darauf erfolgte die physikalische Deutung von Lise Meitner und Otto Frisch im schwedischen Exil. Rasch machten die Folgearbeiten das Potential der Kernspaltung einerseits als Bombe oder als Reaktor zur kontrollierten Energiegewinnung deutlich. Der Vortrag vergleicht das amerikanischen Manhattan Project mit dem deutschen Uranverein, d.h. die zwei zentralen Kernforschungsprojekte während des II. Weltkrieges. Ein besonderer Schwerpunkt der Analyse liegt dabei auf der ‚Alltagsarbeit‘ der Physiker im Uranverein. Dies zeigt, dass eine Fixierung der Diskussion auf eine ‚Bombe‘ die historische Perspektive verengt und dadurch notwendig zu falschen Interpretationen der Geschichte führt. Die Problematik der friedlichen und militärischen Nutzung dieser Technologie ist bis heute präsent. Dies führe ich am Beispiel des österreichischen Nuklearprogramms im Kontext transnationaler Wissensströme der Nachkriegszeit aus.

Zur Person:

Christian Forstner ist Heisenberg-Fellow in der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte am Ernst-Haeckel-Haus der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Er studierte Physik an der Universität Regensburg, wo er mit einer Arbeit zur Quantenmechanik im Kalten Krieg promoviert wurde. Er war Mitarbeiter und Predoctoral Fellow am MPI für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, Postdoc am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und von 2007 bis 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ernst-Haeckel-Haus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er sich 2017 mit einer Arbeit zur Geschichte der Kernphysik und Kerntechnik habilitierte. Nach zwei Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1095 „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main kehrte er 2019 wieder nach Jena zurück. In der Community ist Christian Forstner u.a. seit 2011 als Leiter des Fachverband Geschichte der Physik der DPG aktiv.

Christian Forstner

 

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